Breathwork
Buteyko-Methode: Herkunft, Prinzipien und Studienlage

Kurz gesagt
- Die Buteyko-Methode trainiert ein ruhigeres, leiseres Atemmuster über die Nase.
- Bei Asthma wurde sie in mehreren Studien als Ergänzung zur ärztlichen Behandlung untersucht, mit Effekten auf Beschwerden und Lebensqualität, aber nicht auf die Lungenfunktion.
- Für viele andere Versprechen, die im Netz kursieren, fehlen belastbare Daten.
Die Buteyko-Methode ist ein Atemtraining, das dich lehrt, im Alltag ruhiger durch die Nase zu atmen, mit etwas weniger Luft. Entwickelt hat sie der Arzt Konstantin Buteyko in den 1950er Jahren. Am besten untersucht ist sie bei Erwachsenen mit Asthma, und zwar als Ergänzung zur ärztlichen Behandlung, nicht als Ersatz.
Das Wichtigste in Kürze
- Kern der Methode: weniger Atemvolumen, Nasenatmung, Entspannung und die Control Pause als Übungsmaß.
- Die britische Asthma-Leitlinie SIGN 158 nennt Atemprogramme wie Buteyko als mögliche Ergänzung zur medikamentösen Therapie bei Erwachsenen.
- Asthma-Studien fanden eher Effekte auf Beschwerden und den Bedarf an Bedarfsspray. Die Lungenfunktion ändert sich meist nicht.
- Medikamente änderst du nie auf eigene Faust. Das gilt auch dann, wenn du dich mit dem Training besser fühlst.
Woher die Buteyko-Methode kommt
Konstantin Buteyko war Arzt in der damaligen Sowjetunion. In den 1950er Jahren entwickelte er ein Programm zur Umschulung der Atmung. So beschreibt es auch der britische Fachverband der Atemphysiotherapeuten ACPRC in seinem Patientenblatt.
Buteykos Grundidee: Viele Menschen atmen dauerhaft mehr Luft, als ihr Körper in Ruhe braucht. Dieses Überatmen nennt man Hyperventilation. Er vermutete darin einen Faktor für verschiedene Beschwerden. Außerdem behauptete er, man könne das Überatmen an der Dauer eines Atemanhaltens ablesen. Einige dieser Annahmen wurden später überprüft, und nicht alle haben gehalten. Dazu weiter unten mehr.
Im Westen bekannt wurde die Methode vor allem ab den 1990er Jahren. Damals begannen Forschungsgruppen in Australien und Großbritannien, sie in kontrollierten Studien bei Menschen mit Asthma zu testen.
Die vier Grundprinzipien
Buteyko ist keine einzelne Übung. Es ist ein Bündel aus Übungen und Gewohnheiten, die zusammen ein anderes Atemmuster aufbauen sollen. Vier Bausteine tauchen dabei immer wieder auf.
- Weniger Atemvolumen: Du atmest bewusst etwas sanfter und kleiner als gewohnt. Ziel ist ein leichtes Luftbedürfnis, das angenehm bleibt. Fachleute sprechen von reduziertem Atemminutenvolumen, also der Luftmenge pro Minute.
- Nasenatmung: Tagsüber und möglichst auch nachts atmest du durch die Nase. Die Nase wärmt, befeuchtet und filtert die Luft. Mehr dazu liest du im Artikel über die Vorteile der Nasenatmung.
- Entspannung: Schultern, Brustkorb und Bauch sollen locker bleiben. Wer angespannt ist, atmet oft hoch in die Brust und schneller.
- Control Pause: Nach einer normalen Ausatmung hältst du die Nase zu und zählst die Sekunden bis zum ersten deutlichen Atemreiz. Dieser Wert dient im Training als Verlaufsmarker.
Buteyko heißt nicht, die Luft möglichst lange anzuhalten. Es heißt, im Alltag leiser und ruhiger zu atmen.
Wie du die Control Pause sauber misst und worauf du dabei achtest, erklärt der Artikel Control Pause richtig messen. Wichtig ist: Nach der Messung sollte deine Atmung ruhig weiterlaufen. Musst du tief nach Luft schnappen, hast du zu lange gewartet.
So ist ein Buteyko-Training aufgebaut
Die ACPRC betont, dass die Übungen genau und häufig geübt werden müssen, oft über Tage oder Wochen, bis sie automatisch laufen. Sie empfiehlt, die Methode bei einer erfahrenen Lehrkraft zu lernen, weil sich die vielen Übungen kaum aus einem Faltblatt lernen lassen. Ein typischer Ablauf sieht so aus:
- Bestandsaufnahme: Wie atmest du in Ruhe? Durch Mund oder Nase, hoch oder tief, schnell oder langsam? Dazu kommt eine erste Control Pause.
- Grundübungen: Du lernst, sanft durch die Nase zu atmen und das Volumen etwas zu verringern, ohne dich zu verkrampfen.
- Tägliche Praxis: Kurze Übungseinheiten mehrmals am Tag. Dazu Alltagsgewohnheiten, etwa Nasenatmung beim Gehen oder beim Sprechen.
- Übertrag in Belastung: Später übst du ruhiges Atmen auch bei Bewegung und in Stress.
- Verlauf prüfen: Du notierst regelmäßig deine Control Pause und wie es dir im Alltag geht.
Die Leitlinie SIGN 158 enthält dazu einen interessanten Hinweis. Programme mit mehr als fünf Stunden Anleitung schienen eher wirksam zu sein als kürzere Kurse. Eine einzelne Übung aus einem Video ersetzt also kein begleitetes Training.
Was Studien und Leitlinien sagen
Das meiste Wissen stammt aus Asthma-Studien. Das heißt nicht, dass Buteyko eine Asthmabehandlung ist. Asthma ist schlicht das Feld, in dem am meisten geforscht wurde.
Was Studien zeigen
- In einer verblindeten Studie mit 39 Teilnehmenden brauchte die Buteyko-Gruppe nach drei Monaten weniger Bedarfsspray und atmete in Ruhe weniger Luft pro Minute. Peak Flow und FEV1, zwei Messwerte der Lungenfunktion, änderten sich nicht (Bowler 1998).
- In einer Studie mit 90 Menschen mit Asthma gingen die Beschwerden in der Buteyko-Gruppe über sechs Monate zurück. Die Lungenfunktion und die Empfindlichkeit der Bronchien blieben gleich (Cooper 2003).
- 129 Erwachsene lernten entweder Buteyko oder ein Atem- und Entspannungsprogramm bei einer Physiotherapeutin. Beide Gruppen verbesserten sich deutlich und ähnlich stark (Cowie 2008).
- Ein Cochrane-Review fasst 22 Studien zu Atemübungen bei Erwachsenen mit Asthma zusammen. Nur zwei davon untersuchten Buteyko. Atemübungen könnten Lebensqualität und Hyperventilationsbeschwerden verbessern, die Vertrauenswürdigkeit der Belege reicht aber nur von moderat bis sehr niedrig (Santino 2020).
- Eine Meta-Analyse aus sieben Studien fand eine kleine Verbesserung der Asthmakontrolle, wenn Buteyko zusätzlich zur Standardbehandlung geübt wurde. Die Autoren nennen die Datenlage selbst begrenzt (Wu 2026).
Die britische Leitlinie SIGN 158, zuletzt 2024 überarbeitet, ordnet das so ein: Atemprogramme wie die Papworth-Methode und die Buteyko-Methode können bei Erwachsenen mit Asthma zu moderaten Verbesserungen von Beschwerden und Lebensqualität führen. Auf Lungenfunktion und Entzündung der Atemwege haben sie wenig Einfluss. Die Leitlinie empfiehlt, solche Programme als Ergänzung zur medikamentösen Behandlung anzubieten, am besten eingebunden in die ärztliche Versorgung.
Wo die Evidenz an Grenzen stößt
Ehrlich betrachtet ist die Studienlage dünner, als viele Buteyko-Seiten im Netz vermuten lassen. Die Studien sind meist klein. Übungsprogramme lassen sich kaum verblinden, weil jeder weiß, ob er atmet oder nicht. Und in der Studie von Cowie schnitt ein physiotherapeutisches Atemprogramm fast genauso gut ab. Ein Teil der Wirkung dürfte also am begleiteten Umlernen der Atmung liegen, egal nach welcher Schule.
Auch eine Grundannahme wackelt. Buteyko ging davon aus, dass eine kurze Atemanhaltezeit auf zu wenig Kohlendioxid im Blut hinweist. Courtney und Cohen haben das 2008 an 83 Erwachsenen geprüft. Die Anhaltezeit sagte den Kohlendioxidwert in der Ausatemluft nicht voraus. Der Zusammenhang lief sogar leicht in die Gegenrichtung. Die Control Pause ist deshalb ein brauchbarer persönlicher Verlaufswert, aber kein Laborwert.
Für Kinder bis 12 Jahre sieht SIGN 158 keine ausreichenden Daten für eine Empfehlung. Und für weitere Anwendungen, etwa Panikattacken, Heuschnupfen, COPD oder Schnarchen, gibt es laut ACPRC bisher keine Forschungsbelege.
Wichtig
Die Buteyko-Methode ersetzt keine ärztliche Behandlung und ist keine Hilfe im akuten Asthmaanfall. Verändere Asthma-Medikamente, Sprays oder andere verordnete Therapien nie eigenmächtig, auch wenn es dir besser geht. Jede Änderung besprichst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Hast du Asthma, eine Herz- oder Lungenerkrankung, Bluthochdruck, eine Angst- oder Panikstörung oder bist schwanger, kläre vor dem Training ärztlich ab, ob und in welcher Form Atemübungen mit Luftanhalten für dich geeignet sind.
Für wen die Methode passt
Buteyko passt gut zu dir, wenn du merkst, dass du oft durch den Mund atmest, viel seufzt oder im Stress hoch in die Brust atmest. Auch wer ein ruhiges, alltagstaugliches Training sucht statt intensiver Atemsessions, findet hier einen leisen Ansatz. Die Übungen sind unspektakulär. Gerade das macht sie für viele Menschen gut in den Tag integrierbar.
Weniger passend ist die Methode, wenn du schnelle, spürbare Effekte in einer einzelnen Session suchst. Sie verlangt Geduld und tägliches Üben. Bei den oben genannten Erkrankungen gilt: erst ärztliche Rücksprache, dann Training.
Buteyko im Vergleich mit anderen Atemtechniken
Unter dem Begriff Breathwork laufen sehr unterschiedliche Ansätze. Manche beruhigen, manche aktivieren stark. Die Tabelle zeigt die groben Unterschiede.
| Technik | Grundidee | Atemmenge | Typische Anwendung |
|---|---|---|---|
| Buteyko-Methode | Atemmuster im Alltag umlernen | bewusst verringert, Nasenatmung | tägliche kurze Übungen über Wochen |
| Papworth-Methode | Atem- und Entspannungstraining aus der britischen Physiotherapie | ruhig, Zwerchfellatmung | angeleitet durch Physiotherapie |
| Zwerchfellatmung | Atembewegung in den Bauch verlagern | eher normal bis tief | Entspannung, Körperwahrnehmung |
| Langsames Atmen, etwa Boxatmung | festen Rhythmus zählen | langsamer, oft tiefer | kurze Beruhigung in Stressmomenten |
| Pranayama | Atemübungen aus dem Yoga | je nach Technik sehr verschieden | oft Teil einer Yogapraxis |
| Aktivierende Techniken, etwa nach Wim Hof | Runden aus schnellem, tiefem Atmen und Luftanhalten | stark erhöht | intensive Sessions, nicht für jeden geeignet |
Der größte Unterschied liegt in der Richtung. Aktivierende Techniken arbeiten gezielt mit mehr Atem. Buteyko arbeitet mit weniger. Wer vor allem Stress abbauen möchte, findet weitere Ansätze im Artikel Atemübungen gegen Stress.
Buteyko bei Flow2Reboot
Manuel ist zertifizierter Buteyko-Ausbilder. Er bringt über 30 Jahre Erfahrung aus Kampfkunst, Tai Chi, Qigong, Rope Flow und Breathwork mit und ist Lehrtrainer an der Denys Scharnweber Akademie. Mehr über seinen Hintergrund liest du auf der Seite über deinen Trainer Manuel.
Im Programm Flow2Reboot Breathwork übst du in acht Live-Gruppensessions online, mit einem persönlichen Kick-off und einem Abschlussgespräch unter vier Augen. Buteyko-Prinzipien wie Nasenatmung, ruhiges Atemvolumen und die Control Pause sind dabei ein fester Bestandteil.
Wo steht deine Atmung heute?
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Zum Breathwork-ProgrammQuellen
- Santino TA et al., Breathing exercises for adults with asthma, Cochrane Database of Systematic Reviews, 2020
- SIGN/BTS, SIGN 158 British guideline on the management of asthma, überarbeitete Fassung 2024, Korrekturen 2025
- Bowler SD, Green A, Mitchell CA, Buteyko breathing techniques in asthma: a blinded randomised controlled trial, Medical Journal of Australia, 1998
- Cooper S et al., Effect of two breathing exercises (Buteyko and pranayama) in asthma: a randomised controlled trial, Thorax, 2003
- Cowie RL et al., A randomised controlled trial of the Buteyko technique as an adjunct to conventional management of asthma, Respiratory Medicine, 2008
- Wu S, Zhang X, Huang W, The effect of the Buteyko breathing technique on asthma control and quality of life: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials, Explore, 2026
- Courtney R, Cohen M, Investigating the claims of Konstantin Buteyko: the relationship of breath holding time to end tidal CO2, Journal of Alternative and Complementary Medicine, 2008
- Association of Chartered Physiotherapists in Respiratory Care (ACPRC), The Buteyko Breathing Technique, Patientenblatt GL-04, 2011
Häufige Fragen
Was ist die Buteyko-Methode in einfachen Worten?
Die Buteyko-Methode ist ein Atemtraining, bei dem du lernst, ruhiger und mit etwas weniger Luft durch die Nase zu atmen. Sie geht auf den Arzt Konstantin Buteyko zurück, der sie in den 1950er Jahren entwickelte. Geübt wird über Wochen in kurzen Einheiten, bis das neue Atemmuster im Alltag von selbst läuft.
Hilft die Buteyko-Methode bei Asthma?
Asthma ist das Gebiet, in dem die Methode am meisten untersucht wurde. Studien fanden bei Erwachsenen, die zusätzlich zu ihrer ärztlichen Behandlung übten, teils weniger Beschwerden, bessere Lebensqualität und weniger Bedarf an Bedarfsspray, aber keine Veränderung der Lungenfunktion. Die britische Leitlinie SIGN 158 nennt solche Atemprogramme deshalb als mögliche Ergänzung, nie als Ersatz für Medikamente, und jede Änderung der Therapie gehört in ärztliche Hände.
Was ist die Control Pause?
Die Control Pause ist die Zeit, die du nach einer normalen Ausatmung ohne Anstrengung die Luft anhalten kannst, bis der erste deutliche Atemreiz kommt. Im Buteyko-Training dient sie als persönlicher Verlaufswert. Eine Studie von Courtney und Cohen zeigte allerdings, dass sie den Kohlendioxidwert in der Ausatemluft nicht vorhersagt, sie ist also kein medizinischer Messwert.
Wie lange dauert es, bis man Buteyko beherrscht?
Das ist individuell verschieden. Der britische Fachverband ACPRC schreibt, dass die Übungen oft über Tage oder Wochen regelmäßig geübt werden müssen, bis sie automatisch laufen. Die Leitlinie SIGN 158 weist darauf hin, dass Programme mit mehr als fünf Stunden Anleitung eher wirksam schienen als kurze Kurse.
Kann ich Buteyko allein mit Videos lernen?
Einzelne Grundübungen wie Nasenatmung kannst du gut allein beginnen. Die Methode besteht aber aus vielen Übungen, und Fehler wie zu starkes Luftanhalten passieren leicht. Deshalb empfehlen Fachleute, sie bei einer erfahrenen Lehrkraft zu lernen, besonders wenn du eine Erkrankung hast.
Worin unterscheidet sich Buteyko von Wim-Hof-Atmung?
Die beiden Ansätze gehen in entgegengesetzte Richtungen. Bei Wim-Hof-Atmung atmest du in Runden schnell und tief und hältst danach die Luft an, die Atemmenge steigt also stark. Buteyko trainiert dagegen ein ruhiges, kleineres Atemvolumen im Alltag und setzt auf leise Nasenatmung statt auf intensive Sessions.


